Direkt vor diesem Fenster stand ein riesiger Jacaranda Baum, der in seiner vollen lila Pracht blühte, so sehr, dass er den Raum meines Vaters in ein ganz besonderes Licht tauchte.
Im September 1997 verließ ich New York und kehrte zurück nach Malawi. Mein Vater war in das Queen Elizabeth Krankenhaus mit einem Herzinfarkt in Blantyre eingeliefert worden. Ich erkannte ihne kaum wieder, so dünn war er geworden, ausgemergelt, nur noch Haut und Knochen. Es fehlte ihm jegliche Kraft zu sprechen und sich zu bewegen.
Ich blieb für zwei Wochen an seiner Seite und schlief auf einer Matratze neben seinem Bett. Ich wechselte des öfteren mit meiner Mutter um meinen Bruder zu besuchen, der stark erkrankt zuhause im Bett lag. Für beide lautete die Diagnose: HIV-positiv
Während dieser Tage saß ich auf dem Fenstersims auf der Station meines Vaters und las ihm aus der Bibel seine Lieblingsstellen vor. Direkt vor diesem Fenster stand ein riesiger Jacaranda Baum, der in seiner vollen lila Pracht blühte, so sehr, dass er den Raum meines Vaters in ein ganz besonderes Licht tauchte. Es war unglaublich schwer für mich zu sehen wie sehr mein Vater unter seinen Qualen litt, doch dieser Baum half mir in Zeiten unbeschreiblicher Angst und Trauer auch die andere Seite des Lebens zu sehen, ein Leben mit Hoffnung und Schönheit, ohne Krankheit und Tod.
Täglich passierten im Krankenhaus Familien schluchzend und weinend das Zimmer meines Vaters. Vor sich her schoben sie die Bahre ihres verstorbenen Familienmitgliedes in die Leichenhalle. Den einen oder anderen Tag waren es ein dutzend Familien, alle geplagt in ihrer Familie von AIDS.
Am 12. September schlief ich wieder im Zimmer meines Vaters. Am nächsten Morgen erhielt ich einen Anruf: Ich sollte mich darum bemühen ein weiteres Zimmer für meinen Bruder zu reservieren, es stehe sehr schlecht um ihn. Ich begab mich nach draußen um auf seine Ankunft zu warten.
Auf der Ladefläche des Pick-up meines Bruder Yusuf lag Henry auf einer Matratze, seine Tochter weinte um ihn. Meine Nachbarin saß neben ihr und tröstete sie.
Henry hatte den Weg ins Krankenhaus nicht geschafft.
Da er Muslim war fuhren wir mit seinem Leichnam auf der Ladefläche zurück ins Dorf und begruben ihn innerhalb von 24h.
Mein Bruder verstarb am 13, September. 3 Tage später verließ uns unser Vater.
Bis heute verlor ich meinen Vater, 2 Brüder, 4 Schwägerinnen, 7 Nichten und Neffen. Alle verstarben an AIDS. Auch die Tochter meines Bruders Henry und die Nachbarin sind inzwischen an AIDS gestorben. Der letzte an AIDS verstorbene Verwandte war mein 28 Jahre alter Neffe. Er starb im September 2006.
Jedes mal wenn ich zurück nach Hause komme und meine Freunde aus alter Zeit und Verwandte besuche kaufe ich Blumen und lege sie auf ihr Grab.
Viele Kinder Malawis brauchen dringend Hilfe. Nicht nur meine verwaisten Nichten und Neffen, auch all die anderen Waisenkinder, welche durch verstorbene Verwandte allein gelassen wurden.
Das ist der Grund für mein Engagement.
Der Jacaranda Baum am Fenster meines Vaters symbolisiert das Leben und die Hoffnung.
Ich habe die Schule gegründet um Waisenkindern Malawis eine Zukunft zu geben.
Bitte unterstützen Sie mich bei dieser Mission.
Marie Da Silva.
